Hansi Küpper im Interview (Teil 3)

30.05.2013

Autor: BAC-Infomelder   |   Kategorie(n): 50+1, Aufsichtsrat, BAC, Politik

Liebe Clubfans,

an dieser Stelle präsentieren wir Euch den dritten und letzten Teil unseres ausführlichen Interviews mit Hansi Küpper. Diesmal sprechen wir u. a. über das Sicherheitskonzept der DFL und über den Einfluss der Fans auf Fußballfunktionärsebene. Außerdem wendet sich der Hansi mit einem Appell an Euch.

Im Anschluss an das eigentliche Interview haben wir mit dem Hansi noch über die einige andere Dinge gesprochen. Dabei kam die Sprache auch auf die Thematik “Investoren im Fußball“. Den Gedankengang, den der Hansi hierbei geäußert hat, fanden wir so außergewöhnlich, dass wir ihn Euch ebenfalls noch präsentieren wollen. In diesem Sinne, viel Spaß beim Lesen!

Sowohl Klaus Allofs als auch Dieter Hecking sind während der laufenden Saison zum VfL Wolfsburg und damit zu einem Verein gewechselt, der zu den direkten Tabellennachbarn der früheren Arbeitgeber Nürnberg und Bremen gehört. Wie stehen Sie zu solchen Wechseln während der laufenden Saison? Wären Ihrer Meinung nach Sperrfristen o. ä. sinnvoll?

Ehrlich gesagt, habe ich mir zu diesem Thema noch keine abschließende Meinung gebildet. Einerseits gibt es ja den Grundsatz, dass jeder seinen Arbeitsplatz frei wählen kann. Und wenn sich die Vereine einig sind und es wie im Fall von Dieter Hecking eine Ausstiegsklausel gibt, dann sehe ich keinen Grund, einen Wechsel zu verbieten. Andererseits wäre  es bei Leuten wie Klaus Allofs, die für die langfristige Planung und Weichenstellungen eines Vereins verantwortlich sind, schon sinnvoll, wenn diese Personen nicht von einen Tag auf den anderen woanders hingehen können. Aber wie will man so etwas denn regulieren? Grundsätzlich meine ich, dass es im deutschen Fußball ohnehin Dinge gibt, die von deutlich größerer Relevanz sind.

Wir haben in Nürnberg mit Ralf Peisl und Christian Ehrenberg zwei Fanvertreter im Aufsichtsrat des Vereins. Wie beurteilen Sie als Außenstehender eine solche Konstellation?

Ich halte es grundsätzlich für extrem wichtig, dass die Fans ihren Einfluss geltend machen. Denn wenn Funktionäre unter sich bleiben und ohne Kontakt zur Basis mit Personen aus den Verbänden und der Wirtschaftswelt sprechen, die auf den Fußball Einfluss nehmen wollen, ist immer zu befürchten, dass die Ergebnisse letztendlich zu Lasten der Fans ausfallen. Und eins muss doch klar sein: Wenn diejenigen nicht mehr da sind, die aus Überzeugung und aus ehrlicher Liebe zum Sport und zu ihren Vereinen dafür sorgen, dass der Fußball ein Spektakel ist, dann verliert der Fußball seine gesamte Faszination. Geht es erstmal in diese Richtung, dass diese Leute hinausgedrängt werden, dann ist eine solche Entwicklung auch nur schwer zu bremsen. Und in 10, 15 oder 20 Jahren stehen dann die Leute da und fragen sich verdutzt, was aus dem Fußball geworden ist. Die Antwort lautet dann: Genau das, was ihr damals eingeleitet habt!

Wir hatten ja vorhin schon das Beispiel des englischen Fußballs. Dort gibt es heute relativ viele Menschen, die selbst sagen, dass sie damals, als die negativen Entwicklungen mit der Abschaffung der Sitzplätze ihren Anfang genommen haben, aus Pietät vor den Opfern der Hillsborough-Katastrophe nicht laut genug protestiert haben. Das darf uns in Deutschland nicht passieren, denn das Rad zurückzudrehen ist extrem schwierig.

Es ist also wichtig, dass es in Deutschland relativ viele Menschen in einflussreichen Positionen gibt, die immer wieder darauf hinweisen, dass der Fußball völlig untergeht, wenn man diejenigen ausschließt, die den Sport wirklich lieben. Ebenso wichtig ist es, dass die Leute, die dem Fußball – erst als junge Burschen, dann mit ihren Kindern – über Generationen hinweg erhalten bleiben, repräsentiert werden.

Im Dezember wurde das umstrittene Sicherheitskonzept beschlossen. Die an diesem Papier Beteiligten hatten sich u. a. auch auf die Fahnen geschrieben, den Dialog zwischen Fans und Vereinen verbessern zu wollen. Dass dies nicht wirklich gut klappt, zeigt unser Auswärtsspiel in Frankfurt, bei dem den Glubb-Fans von Seiten der SGE das Mitbringen von Zaunfahnen verboten wurde, obwohl die Sicherheitsbehörden vor Ort ihr Einverständnis für das Aufhängen der Fahnen gegeben hatten. Denken Sie also, dass eine Korrektur des Papiers notwendig wäre?

Zu speziellen Ereignissen wie dem angesprochenen Spiel in Frankfurt kann und will ich nichts sagen. Dass es immer wieder zu Fehlverhalten seitens der Fans kommt, ist klar – dass auch die Sicherheitsbehörden beim Umgang mit den Fans immer wieder Fehler machen, dürfte inzwischen ebenfalls unstrittig sein.

Einige allgemeine Worte noch zum Sicherheitskonzept: Als die Hysterie vergangenen Dezember auf ihrem Höhepunkt war, hat ZEIT ONLINE einen Artikel veröffentlicht, dem ich nur zustimmen kann. Dort hieß es, dass das Sicherheitskonzept ein Problem „löst“, das es gar nicht gibt, da die Stadien ohnehin zu den sichersten Orten der Republik gehören. Ohne aktuelle Probleme beschönigen zu wollen, sind die Gewaltszenarien, die wir heute erleben, im Vergleich zu den 1970er Jahren oder zur Nachwendezeit völlig zu vernachlässigen. Damals hat der Fußball wirklich Gewalt erlebt! Im Augenblick wird der Fußball vielmehr für eine Scheindebatte missbraucht, die für den Sport gefährlich ist. Es ist enorm wichtig, dass man das den Leuten, die nicht so nah am Fußball dran sind, erklärt und ein entsprechendes Bewusstsein in der breiten Bevölkerung schafft. Die Millionen Menschen, die nie oder nur selten ins Stadion gehen, müssen angesichts der Medienberichte den Eindruck bekommen, dass in unseren Stadien Krieg herrscht! Aber es ist doch genau das Gegenteil der Fall!

Wir müssen den Politikern, die den Sport für ihre Scheindebatten missbrauchen, und den Journalisten, die nicht der Wahrheit, sondern der nächsten Schlagzeile hinterherjagen, irgendwie verständlich machen, dass das so nicht geht. In den letzten Jahren gab es im Zusammenhang mit dem Profifußball nur einen einzigen Toten: Ein Berliner Hubschrauberpilot ist im März bei einer Übung, bei der der Einsatz gegen Hooligans in der Nähe des Berliner Olympiastadions simuliert werden sollte, abgestürzt und verstorben. Das muss man sich mal vor Augen führen: Obwohl das Hooliganproblem – gesamtgesellschaftlich betrachtet – sowas von zu vernachlässigen ist, wurde hier ein riesiger, medienwirksam inszenierter Einsatz gefahren, bei dem sogar ein Mensch sein Leben verloren hat. Da geht es doch um nichts anderes als um Aktionismus und darum, das Signal auszusenden, dass der Fußballsport kriminell und gefährlich ist.

Unsere Aufgabe ist es, immer wieder darauf hinzuweisen, dass es um den Fußball herum natürlich zu Gewalttaten kommt, aber das Gewaltproblem im Fußball nicht größer ist als das durchschnittliche Gewaltproblem in der Gesellschaft.

Wir bedanken uns recht herzlich für das Interview! Gibt es zum Abschluss noch etwas, das Sie uns Fußballfans sagen wollen?

Grundsätzlich möchte ich zunächst einmal an alle Fußballfans appellieren, auf Gewalt und Pyro zu verzichten! Ihr schadet dem Fußball, wenn ihr der Gewalt nicht abschwört! Ich schadet dem Fußball, wenn ihr nicht auf Pyro verzichtet! Ich weiß schon, dass der Einsatz von Pyro lange nicht so dramatisch ist, wie er von Medien und Politikern dargestellt wird. Aber das Thema hat in den letzten Jahren nun mal eine solche Eigendynamik entwickelt, dass man vom Pyro-Einsatz ablassen sollte, weil man ansonsten viele Dinge gefährdet, die uns am Fußball lieb und teuer sind.

Darüber hinaus sage ich: Lasst nicht nach, um die Dinge zu kämpfen, die wirklich wichtig sind! Verteidigt die „50+1“-Regel! Setzt Euch für den Erhalt der Stehplätze ein! Kämpft darum, dass Stehplätze auch für Schüler und Studenten und alle, die nicht so gut verdienen, bezahlbar bleiben! Sobald der Fußball für die jungen Leute nicht mehr bezahlbar ist, haben wir in zehn bis zwanzig Jahren ein riesiges Nachwuchsproblem. Und wenn diejenigen, die den Fußball lieben, aber nicht so viel verdienen, nicht mehr hingehen können, weil sie sich die Karten nicht mehr leisten können, haben wir auch ein Problem.

Kurz gesagt, konzentriert euch auf diese wichtigen Dinge und nicht darauf, wo man gegnerischen Fans auflauern kann und wie man einen Bengalo ins Stadion schmuggeln kann.

Nach dem Interview haben wir uns – wie eingangs erwähnt – noch ein bisschen mit Hansi Küpper über dies und das unterhalten. Seine Aussagen zum Thema Investoren im Fußball wollen  wir Euch nicht vorenthalten:

Was ich in der Hinsicht seit Jahren bemängele und auch richtig schräg finde, ist, dass wir nicht in der Lage sind – auch wir Journalisten nicht -, diesen inflationär gebrauchten Begriff „investieren” wie in „er investiert nochmal in seinen Verein” und „dann ist er ein Investor” überhaupt mal in Frage zu stellen.

Ich glaube, wir müssen verschiedene Dinge unterscheiden:  Zwischen 1.) Konzernen, die sagen “Wir haben eine fußballspielende Tochter, die wir im Sinne unseres Konzerns einsetzen” sowie zwischen 2.) Mäzenen, die wie Abramovich oder auch Hopp im Prinzip Null Interesse daran haben, ihr Geld zu vermehren. Herr Hopp ist nicht als mehrfacher Milliardär und fast 70-jährig in den Fußball gekommen, um damit nochmal Geld zu verdienen. Und auch wenn es ganz selten – beispielsweise in England – vorkommt, haben wir 3.) Investoren, die einen Verein kaufen, diesen verschulden und die Kuh melken wollen, indem sie die Eintrittspreise erhöhen, und drüber hinaus die ganze Familie – wie es die Glazers praktizieren – in diesem Verein installieren und dann richtig Kohle machen.

Im Prinzip gibt es aber keine Investoren im Fußball. Investoren im Fußball können gar nicht funktionieren, denn investieren kannst Du nur in Dinge, die automatisch eine Wertentwicklung erfahren, d.h., wenn ein Investorenkollektiv sagt „wir kaufen uns ein Riesengelände an der Ostsee und machen einen Golfclub”, dann steht 5 Jahre später auf diesem Gelände ein tolles Hotel, in das an jedem Tag unheimlich viel Geld eingezahlt wird und die Leute spielen Golf und bezahlen und bezahlen und irgendwann amortisiert sich das, weil aus diesem ehemaligen Ackergelände ein echter Mehrwert geschaffen wurde.

Wenn Investoren in den deutschen Fußball kommen, weil die 50+1-Regel gekippt wurde, dann bedeutet das im Klartext, dass bei 18 Bundesligavereinen plötzlich – ich sag einfach mal beispielhaft eine Zahl – 1 Milliarde mehr drin steckt, weil die Investoren alle ihr Geld reinhauen. Aber es gibt überhaupt keine Möglichkeiten, irgendetwas zu amortisieren, weil die TV-Gelder mehr oder weniger festgelegt sind und auch die Eintrittsgelder mehr oder weniger festgelegt sind. Ich kann natürlich an dieser Preisschraube drehen, dazu brauch ich aber keine Investoren. Das Sponsoring ist ebenso begrenzt wie auch das Merchandising, d.h. wir haben plötzlich 1 Milliarde mehr im Fußball, die aber wieder rausgezogen werden soll. Und noch nie hat mir jemand erklärt, wo der Fußball, der relativ festgelegt ist, was seine Einnahmen angeht, den gewünschten Mehrwert generieren soll. Er kommt nirgends her. Deswegen ist dieses Gerede von Investoren im deutschen Fußball völliger Quatsch. Das kann nur funktionieren, wenn wirklich nur ein Verein plötzlich investiert und alle 17 anderen nicht. Dann spielt dieser Verein plötzlich in Europa mit, dann gibt es für diesen einen Verein mehr Fernsehgelder, dann funktioniert das. Dass ein Verein plötzlich investieren darf und alle anderen nicht, das kann ja nicht funktionieren. Und das wird auch nicht passieren, wenn wir die 50+1-Regel verteidigen.

Die anderen Teile des Interviews findet ihr hier: Teil 1Teil 2Teil 3