Jenseits des Tellerrands: Hilfe für Anja

03.06.2012

Autor: admin   |   Kategorie(n): Fanszene, Jenseits des Tellerrands

Liebe Clubfans,

die meisten von Euch werden den Verein “Hilfe für Anja” kennen. Wir hatten die Gelegenheit mit Michael Sporrer (43), dem Vorstand des Vereins, zu sprechen.

BAC: Hallo Michael! Danke, dass Du Dir Zeit genommen hast, uns für ein Interview zur Verfügung zu stehen. Sag uns doch bitte zu allererst, wie es Anja heute geht.

Michael: Das mach ich doch gerne. Nach 13 Jahren wurde endlich ein Spender für Anja gefunden: 2 Tage vor Weihnachten wurde das Knochenmark transplantiert. Nach einer sehr schweren Zeit ist Anja jetzt auf einen sehr guten Weg und ihr Gesundheitszustand zeigt steil nach oben. Ihr Immunsystem muss sich nun stabilisieren. Deshalb hoffen wir insbesondere, dass sie von schwereren Krankheiten verschont bleibt.

BAC: Kannst du uns von den Anfangsstunden des Vereins “Hilfe für Anja” erzählen und wie er sich inzwischen entwickelt hat. Mit wem arbeitet ihr bei Eueren Typisierungsaktionen zusammen?

Michael: Im Jahr 2000 haben wir eine erste Typisierungsaktion vor dem Frankenstadion in Nürnberg durchgeführt. Auslöser war der Fall Anja. Daraus entwickelte sich die Aktion „Clubfans helfen Anja“ und später „Hilfe für Anja“. Da wir die Suche nach einem Stammzellspender als eine Lebensaufgabe sehen, haben wir einen Verein gegründet. Uns geht es nämlich nicht nur um Anja. Jeder, der sich typisieren lässt, wird automatisch in einer weltweiten Datenbank registriert. Anfangs arbeiteten wir mit der DKMS und – im Rahmen der Blutspende – gelegentlich mit der AKB zusammen. Seit gut 6 Jahren bauen wir zusammen mit der Transfusionsmedizin der Uni Würzburg eine eigene Datenbank auf. Die Uni Würzburg kümmert sich um die Datenbank und wir sind bei großen Aktionen organisatorisch dabei und regeln die Finanzen.

BAC: Inwieweit spielte der 1. FC Nürnberg bzw. seine Fanszene eine Rolle?

Michael: Der Club war unser Anfang. Die Aktion wurde anfangs ausschließlich von der Fanszene getragen: Der Supporters Club, Vogl-Max, Oberes Pegnitztal und die RED ARMY waren federführend. Mittlerweile erhalten wir von deutlich mehr Fanclubs Unterstützung. Wir arbeiten jedoch nicht nur mit FCN-Fanclubs zusammen, sondern auch mit vielen Städten und Landkreisen sowie Firmen. Es freut uns riesig, dass unser Club mittlerweile einmal pro Jahr eine Typiserungsaktion im Stadion durchführt! Schade ist nur, dass wir nach unseren 2 Aktionen am Stadion nie wieder gefragt wurden, ob wir mitmachen wollen. Vielleicht findet sich ja in der Zukunft wieder ein gemeinsamer Weg… Dass wir unser Handwerk verstehen, zeigen 31.000 Spender, die wir in die Datenbank gebracht haben und 320 Lebensretter.

BAC: Gab es “Highlights” in den vergangenen Jahren? Falls ja, welche waren das?

Michael: Ein großes Ereignis war natürlich, als wir im September erfahren haben, dass endlich ein Spender für Anja gefunden wurde. Mein persönlicher Höhepunkt war aber die Nacht, als Anja transplantiert wurde. Wir fieberten und bangten, waren mit Anjas Mama immer wieder per Mail in Kontakt. Und gegen 2 Uhr nachts konnten wir uns via Skype zu Anja einwählen und mit ihr sprechen. Das war für mich der bewegenste Augenblick in 12 Jahren “Hilfe für Anja”. Eine Transplantation ist eigentlich völlig unspektakulär, aber bei so einen denkwürdigen Ereignis mit dabei zu sein, war für mich sehr emotional.

BAC: In Gesprächen rund um das Thema Typisierung bemerkt man, dass viele Berührungsängste haben. Kannst du uns in wenigen Worten den Sinn und Zweck, aber auch den Ablauf des Typisierens erklären?

Michael: Die Typisierung an sich ist kein Akt. Man kommt zur Aktion, man wird aufgeklärt, füllt einen Erfassungsbogen aus und dann wird 5ml Blut entnommen. Sollte man als Spender in Frage kommen, gibt es erst mal einen großen Gesundheitscheck und dann entscheiden die verantwortlichen Ärzte, ob der Patient eine Knochenmarks- oder Stammzellenspende benötigt. In 90% der Fälle reicht eine Stammzellenspende. So eine Spende funktioniert wie eine Dialyse: Die Stammzellen werden einfach über die Blutbahn gefiltert. Bei der Knochenmarkentnahme wird das Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen. Dies geschieht unter Vollnarkose und ist somit halb so wild. Und ich möchte betonen, dass man zwei Begriffe nicht durcheinanderwerfen darf: Knochenmark hat nichts mit Rückenmark zu tun!!!

BAC: Welche persönlichen Erfolge gibt es für eueren Verein bzw. woher nehmt ihr seit Jahren all die Kraft und Motivation?

Michael: Wir haben bisher über 31.000 Menschen für die weltweite Datenbank gewinnen können. Davon haben ca. 320 Personen für  irgendeinen Patienten auf dieser Welt Knochenmark oder Stammzellen gespendet. Darüber hinaus haben wir Spendengelder in Höhe von rund 1,5 Mio Euro sammeln können. Leider hatten wir auch Todesfälle zu beklagen. Das ist sehr schrecklich, gerade wenn Kinder oder junge Eltern betroffen sind. Um soviel mehr Kraft gibt es einem, wenn wieder eine Person aus unseren Aktionen Stammzellen spendet und vielleicht ein Menschenleben retten kann. Leider liegt Freude und Leid manchmal sehr nah beieinander.

BAC: Welche  Problemfelder gibt es?

Michael:  Ein großes Problem ist, dass die unterschiedlichen Knochenmarksorganisationen zu wenig zusammenarbeiten! Hier gibt es ein zu großes Konkurrenzdenken. Am Ende melden ohnehin alle ins Zentralregister in Ulm. Der Patient sollte im Vordergrund stehen und das ist leider nicht immer der Fall. Da wir alle ehrenamtlich arbeiten, ist es uns egal, ob wir mit der AKB, der Uni Würzburg oder der DKMS kooperieren. Für uns zählt nur, dass sich so viele Menschen wie möglich typisieren lassen!

BAC: Wie können Clubfans, Fanorganisationen oder Fanclubs euch unterstützen?

Michael: Da die Auswertung einer Blutprobe für den Verein „Hilfe für Anja“ 50 Euro kostet, sind wir natürlich immer auf Geldspenden angewiesen. Wir würden uns auch freuen, wenn Fanclubs in ihren Heimatorten Typisierungsaktionen durchführen würden. Die Clubfans aus Königstein sind ein gutes Beispiel, wie man ein Fest und die gute Sache verbinden kann.

BAC: Was würdest du dir für die Zukunft wünschen?

Michael: Zu allerest natürlich, dass wir noch sehr vielen Menschen helfen können. Außerdem wollen wir möglichst viele Menschen dazu bewegen, sich in die weltweite Datenbank aufnehmen zu lassen. Und natürlich ist es uns ein großes Anligen, dass unserer Anja, die schließlich der Ursprung des Vereins ist, endlich in der Lage ist, ein normales Leben zu führen.

Wie der Michael bereits im Interview erwähnt hat, habt schon bald die Möglichkeit, Euch im Rahmen einer großen Glubb-Fanclubfeier typisieren zu lassen. Der Fanclub “Die Besessenen” aus Königsstein (Opf.) feiert am 9. Juni 2012 sein 15-jähriges Bestehen. Jeder Glubb-Fan ist herzlich eingeladen, nicht nur mitzufeiern, sondern sich hier auch zwischen 13.oo und 18.oo Uhr durch die Helfer des Vereins “Hilfe für Anja” typisieren zu lassen. Alle Infos zur Feier, dem umfangreichen Festprogramms und natürlich der Typisierungsaktion findet Ihr unter http://www.diebesessenen.de/jubilaeum.html.

Falls ihr mit Euerem Fanclub ebenfalls die Aktion “Hilfe für Anja” unterstützen wollt, könnt Ihr Euch über die Seite http://hilfe-fuer-anja.de/html/kontakt.html an den Michael und seine Mitstreiter wenden. Jede Hilfe ist herzlich willkommen!