Gastkommentar: Der Club und das „Der Club“-Trikot

07.09.2012

Autor: Sandale   |   Kategorie(n): Fanszene, IG-Zukunft, Verein

Hallo Glubbfans,

das Trikot hat in den letzten Tagen hohe Wogen geschlagen, deswegen heute ein Gastkommentar der IG Zukunft zum “der Club”-Trikot:

 

Der Club und das „Der Club“-Trikot

Seit Tagen ist die Fanszene des 1. FC Nürnberg in heller Aufregung aufgrund einer zunächst eher nebensächlich erscheinenden Aktion: Der Vorstand und die FCN-Marketing GmbH haben sich dazu entschlossen, die vor dem Vertragsschluss mit Hauptsponsor NKD vom Team getragenen Heimtrikots mit dem Aufdruck „Der Club“ doch „in limitierter Anzahl“ zu verkaufen (vgl. dazu Meldung auf fcn.de vom 28.08.12).

Solche Aktionen sind natürlich für sehr viele Fans äußerst attraktiv, da ein Trikot ohne Sponsorenaufdruck, bzw. mit identitätsstiftendem Ersatzflock einen ideellen Wert darstellt, der weit über den eines „normalen“ Trikots hinausgeht. Es war daher von Anfang an davon auszugehen, dass die Aktion für den FCN ein kommerzieller Erfolg werden würde, und, was noch viel wichtiger ist, dass die Nachfrage deutlich höher als das Angebot ausfallen würde. Insofern konnte man den Schritt, den Verkauf auf Vereinsmitglieder zu beschränken, wobei jedem Mitglied nur ein Trikot zusteht, aus Fansicht nur begrüßen. Leider gestaltete sich die Realität dann etwas anders als von Fanseite erhofft…

Am Dienstag gab es dann schon früh am Morgen in allen drei offiziellen Fanshops lange Schlangen – viele Fans haben sich gar Urlaub genommen oder andere Termine verschoben, um an die „limitierte Sonderauflage“ zu gelangen. In den Fanforen häuften sich schon recht bald Berichte über Personen, die in der Warteschlange mit dem Smartphone online ein Trikot erstanden haben, um dann in der Filiale erneut zuzuschlagen. Solche Berichte lassen sich natürlich nicht nachprüfen, sie legen jedoch nahe, dass die Mitgliedsnummern nicht effizient abgehakt wurden, die bereits ein Trikot erhalten haben. Dies ist für die Fans weiter hinten in der Schlange (bzw. in der Online-Warteschlange, da auch die Website hoffnungslos überlastet war und z.T. Käufer während des Bezahlvorgangs wieder hinauswarf, die somit ihr eigentlich schon gesichertes Trikot verlieren konnten) natürlich äußerst ärgerlich.

Schon gegen Mittag wurde für die gängigen Größen „ausverkauft“ vermeldet und viele Clubmitglieder begruben enttäuscht ihre Hoffnung auf das „exklusive“ Clubtrikot. Eigentlich sollte dies die ganze Geschichte sein, denn weitere Kaufchancen wurden in der Mitteilung auf fcn.de nicht mal angedeutet, und die limitierte Anzahl schien komplett über den Ladentisch gegangen zu sein. Was zu erwarten war, und nicht in der Macht des Vereins liegt, waren die zahlreichen E-Bay-Verkäufer, die ihr „Sammlerstück“ gleich zu Geld machen wollten. Interessanterweise bot so mancher Verkäufer mehr als zwei Trikots an, was die Aussagen der Fans bestätigen dürfte, dass einige Personen mehr als ein Trikot abgekriegt haben. Ebenso erwartet werden konnte das schnelle Ansteigen der Höchstgebote auf Preise weit jenseits der 100 Euro. Solche Geschäftemacherei stößt vielen Clubfans sauer auf, lässt sich aber naturgemäß nicht immer komplett unterbinden. Doch für die Online-Bieter, die die Zahlung eines überteuerten Betrags als letzte Chance zum Erwerb des exklusiven Trikots sahen, sollte es bald doppelt ärgerlich werden.

Seit Dienstagabend häuften sich Berichte einzelner Fans, dass sie in diversen anderen Sportgeschäften die angeblich exklusiven „Der Club“-Trikots gesichtet hätten. Insbesondere bei Wöhrl in der Nürnberger Altstadt fand sich urplötzlich eine größere Lieferung der begehrten Stücke, natürlich wie in allen vom FCN unabhängigen Geschäften ohne die Kaufbeschränkung „nur für FCN-Mitglieder“. Wurde in der Meldung auf fcn.de noch davon gesprochen, dass nur eventuelle Restbestände ab Freitag, 07.09.12 in den freien Verkauf gehen würden (wovon natürlich nicht auszugehen war), waren die Trikots nun also für die Allgemeinheit schon während der vermeintlich exklusiven Mitgliederverkaufsphase zu haben. Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer, und auch bei Wöhrl war das Kontingent schnell erschöpft. Immerhin wurden die Trikots dort zum selben Preis wie in den Fanshops verkauft, während nach Aussagen einiger Fans in anderen Sportgeschäften noch einmal kräftig der Preis erhöht wurde.

Es stellt sich nun folgende Frage: Hätte der FCN verhindern können, dass sein Ausrüster Adidas die Bestände auch an andere Shops ausliefert? Diese Frage kann man mit „nein“ beantworten. Dennoch hat der Verein einen großen Fehler begangen, der als Vertrauensbruch gegenüber den Fans eingeordnet werden darf: Hätte man von Anfang an kommuniziert, dass die Fanshops eben nicht die einzigen Läden sind, in denen das Trikot zu haben ist, wäre die Aufregung nicht halb so groß. Die Exklusivität, die den Vereinsmitgliedern vorgegaukelt wurde, ist so jedoch nichts als Illusion. Auch scheint die Auflage doch nicht so limitiert und exklusiv zu sein, wie man anfangs denken musste, wenn man der offiziellen Kommunikation des Vereins Glauben schenkte.

Im Interview mit den „Nürnberger Nachrichten“ vom 07.09.12 ist von Sportdirektor Martin Bader folgendes zu vernehmen: “Und überhaupt: Von einem Verkauf exklusiv nur für die zahlenden FCN-Sympathisanten sei niemals die Rede gewesen, sondern nur von einem „dreitägigen Vorkaufsrecht.“” Dies ist insofern richtig, als dass in der Homepagemeldung ab Freitag die Möglichkeit eines freien Verkaufs in den Fanshops erwähnt wird. Dennoch sind in der Aufzählung der teilnehmenden Läden nur die Fanshops aufgeführt – von einem Verkauf im regulären Einzelhandel ist nicht die Rede. Es muss geradezu der Eindruck entstehen, dass die limitierte Edition allein aus den Händen des Vereins und seiner Marketing-GmbH verkauft wird, wovon auch die große Mehrheit der Fans ausgegangen ist.

Fazit: Eine an und für sich gut gemeinte Aktion im Sinne der Fans wurde mangelhaft durchgeführt und hinterlässt bei vielen Fans einen schalen Nachgeschmack. Natürlich würde sich jeder Fan auch in Zukunft über solche Aktionen freuen, nur sollte man darauf achten, die „Spielregeln“ des Verkaufs missverständnisfrei zu kommunizieren, damit es zu keinen bösen Überraschungen kommen kann.