Ein Interview mit ProFans

27.02.2013

Autor: Sandale   |   Kategorie(n): BAC, Fanszene

Hallo Glubberer!
Phillipp Markhardt - Pro Fanswie Ihr merkt, interviewen wir zur Zeit die verschiedensten Protagonisten rund um den deutschen Fußball. Wir sammeln Informationen aus allen Ecken und Enden zusammen, um diese dann für Euch aufbereitet hier präsentieren zu können. Unser neustes Interview haben wir mit Philipp Markhart von Pro Fans geführt – es kommt also tief aus der aktiven, bundesweiten Fanszene. Wir bedanken uns bei Philipp für die vielen Informationen und stellen Euch nachfolgend gerne das gesamte Interview zur Verfügung. Freuen würden wir uns auch, wenn Ihr unsere Artikel in sozialen Netzwerken und Foren teilt.

So, nun zum eigentlichen Interview:

Was ist ProFans? Wie setzt es sich zusammen? Was sind die Ziele?

ProFans ist eine überregionale Fanorganisation, die sich im Zuge der Proteste gegen die Spieltagszerstückelungen Anfang des Jahrtausends unter dem Namen Pro 15:30 gegründet hat. Allerdings hat man schnell gemerkt, dass es viel mehr Themen gibt, die Fans betreffen. Zum Beispiel Repression, die Kommerzialisierung im Allgemeinen, Materialverbote und so weiter. Daher hat man sich irgendwann entschieden, den Namen in ProFans zu ändern, um nicht nur auf Proteste gegen Anstoßzeiten reduziert zu werden. Derzeit sind etwa 50 aktive Fangruppen – nicht nur Ultras – dort vertreten. ProFans ist ein Bündnis, in dem von jeder Gruppe ein oder mehrere Abgesandte der jeweiligen Gruppen mitarbeiten. Die Koordination der Aktionen übernimmt das Büro, ansonsten sind aber alle gleichberechtigt.

Wie klappt es eigentlich, dass Fans unterschiedlicher Vereine, die sich nicht ganz grün sind, dann am “Runden Tisch” plötzlich zusammenarbeiten? War es am Anfang schwer für einige, über ihren Schatten zu springen oder überwog schon zu Beginn der Wille, die Gemeinsamkeiten bzw. gemeinsamen Ziele voranzutreiben?

Ich muss zugeben, dass ich nicht seit Gründung von ProFans bzw. Pro 15:30 dabei war. Wobei ganz zu Beginn das Ganze sowieso noch über das alte Stadionweltforum koordiniert wurde. Als man sich dann das erste Mal traf, das muss auch mal gesagt werden, gab es ja auch noch lange nicht so verbissene Rivalitäten zwischen einzelnen Gruppen. Zwar war man sich nicht ganz grün, aber diese dogmatischen Feindschaften, die es heute teils gibt, die waren damals noch nicht so ausgeprägt. Zudem ging es zum Einen immer noch um ein gemeinsames Anliegen, dass die Rivalitäten überwog.

Wie wichtig ist es, dass sich auch die Fans zu Interessengemeinschaften zusammenschließen?

Wie wichtig Interessensgemeinschaften sind, hat meiner Meinung nach das Aktionsbündnis 12:12 verdeutlicht.

 Wenn alle an einem Strang ziehen und ihre Kräfte bündeln, dann sind die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen. Das ist meines Erachtens auch die Quintessenz aus den Protesten.

Beim FCN sitzen zwei von der MV gewählte “Basisvertreter” im Aufsichtsrat. Wird sowas auch bei ProFans beachtet? Wie ist deine Meinung zu Fans in den Gremien der Vereine?

Das wird natürlich positiv gesehen. Die vertrackte Situation mit all den Einschränkungen und Verboten resultiert schließlich nur daraus, dass an den Schalthebeln Leute sitzen, die sich zumindest in den letzten 30 Jahren keine Eintrittskarte selbst kaufen mussten. Leute, die von Fankultur und Faninteressen absolut keine Ahnung haben können und zum Teil vielleicht auch nicht wollen. Das ist sowohl bei den Verbänden als auch in den Vereinen so. Insofern begrüßen wir natürlich Interessenvertreter bzw. „Fanexperten“ in Vereinsgremien. I

Frank Willmann hat im Tagesspiegel die Frage aufgeworfen ‚Wem gehört der Fussball?‘. Was meinst Du dazu?

Ideell gesehen gehört er all denen, die ihn lieben und leben. Und zwar frei von kommerziellen Interessen. Realistisch gesehen gehört er derzeit leider denen, die das große Geld haben. Sprich diejenigen, die ihn sponsern und diejenigen, die sich mit den Sponsorengeldern die Taschen voll machen. Sie schalten und walten. Leider (noch?) ohne uns Fans großartig zu berücksichtigen. Für sie gelten dann auch andere Regeln als für uns kleine Leute. Nehmen wir ein Beispiel: Deine Tapete mit der Aufschrift „Max-Morlock-Stadion“ nehmen sie Dir am Eingang ab, weil sie brennbar ist. Fünf Meter weiter wird die Stadionzeitung verkauft. Die ist zwar auch brennbar, aber die Sponsoren des FCN präsentieren sich darin und haben dafür viel Geld bezahlt. Du hingegen hast 10 Euro für den Stehplatz hingelegt. Und deshalb bleibt Deine Tapete draußen. Und vielleicht deshalb, weil der Inhalt dem Glubb nicht zusagt.

Es gab nun Treffen von Fans und DFL. Wart ihr daran beteiligt? Wenn ja, wie lief das ab? Was erwartest Du Dir von solchen Treffen? Informative Gespräche auf Augenhöhe oder sogar Mitwirken an Entscheidungen?

Ja, es waren auch Vertreter von ProFans anwesend. Ich allerdings nicht. Es gab ja erst ein Gespräch hierzu – das nächste folgt im März -, dieses war aber wohl erst einmal ein gegenseitiges Beschnuppern und Abtasten bzw. ein gegenseitiges „Verständnis für die jeweiligen Standpunkte aufbauen. Der Eindruck, der erweckt wurde, war der, dass Gespräche auf Augenhöhe stattfinden sollen und die Fans in Entscheidungen eingebunden werden sollen. Inwieweit das dann auch passiert, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Ich glaube, dass es hier für eine Prognose (losgelöst von den schlechten Erfahrungen der Vergangenheit) noch zu früh ist.

Zuletzt noch etwas, das mich auch persönlich sehr interessiert. Du hast an dem Buch ‘Kinder der Westkurve’ mitgearbeitet. Wie lange hat das gedauert von der Idee bis zum fertigen Buch und wie war das als Du das Buch zum ersten Mal in Händen gehalten hast?

Insgesamt haben wir knapp vier Jahre daran gearbeitet, weil wir halt alle „Feierabendautoren“ waren. Sprich: Arbeit ging immer vor. Also konnte nur abends und am Wochenende (soweit der HSV nicht spielte) daran gewerkelt werden. Als dann das Buch vorlag, war das natürlich ne starke Sache. Denn auch, wenn wir daran nicht reich werden, haben wir doch unserem Verein, seiner Fanszene und uns selbst ein Denkmal gesetzt. Und das war eigentlich das Wichtigste.

 

Wir bedanken uns abschließend nochmals bei Philipp Markhart, aber auch bei allen anderen, die sich Tag für Tag in anstrengender ehrenamtlicher Arbeit für uns und unsere Rechte engagieren! Danke für all Eure Arbeit und Euren Einsatz!

klickt mal rein unter http://www.profans.de

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